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IT Industry Trends

Heiter bis wolkig: Die deutsche Blogosphäre über Cloud Computing

Created: 26 Jul 2011 • Updated: 14 Jun 2013
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Cloud Computing oder auch Virtualisierung ist eines der wichtigsten IT-Themen der letzten Jahre. Der Begriff wird jedoch nach wie vor sehr unterschiedlich verstanden und die Implikationen verschieden gedeutet. Einige Themenstränge lassen sich in der deutschen Blogosphäre bereits über mehrere Jahre nachverfolgen, wir haben uns an einen skizzenhaften Überblick über die Diskussion deutscher Blogger und Fachjournalisten gewagt. Von Symantec gibt es aktuelle Positionen und Angebote für Virtualisierung von Geschäftsanwendungen auf einer Microsite.

Clouds

Im Juni vor vier Jahren wunderten sich Marcel Weiss auf Neunetz und Sascha Kösch von der Debug darüber, dass das Internet quasi über Nacht “The Cloud” genannt wurde. Dieser Feststellung vorausgegangen war das legendäre All Things Digital Interview von Steve Jobs und Bill Gates. Die Begeisterung über die Möglichkeiten der Cloud und die Skepsis bzw. die Angst vor möglichen Risiken halten sich seitdem die Waage. 
2008 warnte Richard Stallman, der Präsident der Free Software Foundation vor Cloud Computing und diskutierte Themen  wie Datenschutz, Copyright und die Abhängigkeit von proprietärer Software. 2009 wies Cem Basman in seinem Blog und der Wikipedia-Diskussion auf die rechtlichen Grenzen bei der Behandlung von Daten in Deutschland hin. Im September 2009 veröffentlichte eine Industrie-Initiative (u.a. Sun, Cisco, IBM) das „Open Cloud Manifesto“. Ziel sollte es sein, offene Standards festzulegen, die ein nebeneinander von verschiedenen Plattformen in der Cloud ermöglichen. Firmen wie Amazon, Google oder Microsoft waren allerdings nicht Teil des vorangegangenen Prozesses und so fürchtete Falk Hedemann von t3n einen neuen Streit um Standards: „...erbitterte Kämpfe könnten auch Innovationen verlangsamen und die Entwicklung insgesamt um Jahre zurückwerfen.“ 2010 legte IBM eine optimistische Developerworks-Studie zu Cloud Computing vor. Die Schlussfolgerung: in 5 Jahren werden in vielen Unternehmen virtualisierte, also aus der Cloud kommende Softwarelösungen, dominieren. Marek Hoffmann kommentierte für Basicthinking: “Ich teile den oben geäußerten Optimismus nicht … Vielmehr erscheint es mir so, als hätten die befragten ITler ihr Wunschdenken formuliert, ein Szenario gezeichnet, das ihnen als Technik-Profis idealerweise vorschwebt.” Aufgrund seiner Erfahrungen im IT-Marketingbereich führte er Angst vor Komplikationen und Datenverlust als Grund für die Zurückhaltung an, trotz auf der Hand liegender Vorteile. Andreas von Netzwertig.com machte Cloud Computing zum Thema im Jahresrückblick 2010. Erwähnt wird der Hype-Cycle der Marktanalysten Gartner, in dem Cloud Computing 2010 kurz vor dem Höhepunkt steht. 2011 befinden wir uns nach Gartner also im Fall Richtung Enttäuschung? Es zeichnen sich tatsächlich erste Anzeichen für ein Abklingen der Euphorie ab. Auch in der Blogosphäre mischt sich große Begeisterung nach wie vor mit Skepsis und Kritik. Die Berichte gleichen einer Achterbahnfahrt, von höchstem Lob bis hin zu großer Angst ist alles dabei. Trotz der Zurückhaltung einiger Entscheider und der Skepsis seitens der Blogger und Journalisten, gehen die Entwicklungen im Bereich Cloud Computing rasant weiter. Markus Breuer ahnte bereits Anfang dieses Jahres, einige Monate vor der Präsentation der iCloud, wohin diese Entwicklung gehen würde und schrieb auf seinem Steingrau Blog “Ich bin gespannt wann und wie Apple in die Cloud geht”. Aber am am Cloud-Himmel ziehen nach einer Schönwetterperiode auch schnell wieder Gewitterwolken auf. So geschehen im Juni 2011, als der Ausfall der Amazoncloud dafür sorgte, dass deutsche CIOs wieder skeptischer gegenüber Cloud Computing wurden. 
CIO.de zitiert Joseph Reger, Vorstand und CTO bei Fujitsu Technology Services: “Amazon hat dem Cloud Computing einen Bärendienst erwiesen.” Auch Carsten Seifert schreibt auf seinem Softwareentwickler-Blog dass er keine unternehmenssensiblen Daten in die Cloud auslagern würde, der Kommentator Christoph fasst hingegen einen Vorteil von Cloud Computing gerade für kleine Unternehmen zusammen: “Es gibt ja aber auch bei inhouse gespeicherten Daten Menschen welche die Wartung machen und auch diese werden Fehler machen und so den Verlust der Daten riskieren. Einem Profi im RZ sollten solche Fehler weniger passieren als einem evt. nebenamtlichen Admin in einem KMU.” Zur Zeit ist erkennbar, dass sich die Diskussion in der Blogosphäre im Zusammenhang mit der Virtualisierung in drei große Themenkomplexe aufsplittet. Diese sind: Sicherheit und Datenschutz, Kosten und Aufwand für Unternehmen sowie Bandbreiten und Performance. 
Sicherheit und Datenschutz: Gerade im datschutzbewussten Deutschland ist man misstrauisch was Backdoors für US-Behörden in Cloud Diensten angeht oder hat generell die Sorge, dass Regierungen durch zentrale Datensammlungen Zugriff auf die Aktivitäten ihrer Bürger haben können. Datenverlust (siehe Amazonausfall) und Cyberattacken (Stichwort Sony) sind ein weiterer Bereich in dem es Bedenken gibt. Außerdem gibt es eine unklare Rechtslage in Bezug auf Urheberrecht und Datenschutz beim Speichern und Abrufen von Daten in unterschiedlichen Ländern. Kosten und Aufwände: Zum Teil werden von Bloggern sich summierende Abokosten, ein größerer Arbeitsaufwand und neue Anforderungen für Admins als Probleme genannt. Es gibt jedoch auch postitive Stimmen. René Büst von clouduser.org berichtet über die finanziellen Vorteile der Cloud. Und auch Andreas von der sunlab GmbH schreibt über Kostenersparnisse durch gute Vorbereitung. Die Experton Group hat zusammen mit business-cloud.de einen sogenannten Cloud-Rechner entwickelt, mit dem sich Kosten für Unternehmen ermitteln lassen sollen. Bandbreite und Performance: Bei der Nutzung der Cloud mit mobilem Zugang treten häufig infrastrukturell bedingte Probleme auf. Unzureichende Bandbreiten, verhindern eine angenehme Nutzung des Angebots. Auf lokalen Rechnern ist eine bessere Performance zu verzeichnen, trotzdem ist diese häufig nicht zufriedenstellend. CIO.de berichtet über hohe Verluste bei Unternehmen durch Performance-Probleme. Andere teilen diese Einschätzung nicht. Stephan Haux meint, dass sich viele Services problemlos mit DSL realisieren lassen. Zusammegefasst lässt sich sagen, dass bei aller Begeisterung und Euphorie auf Seite der Anbieter viele Ängste bei den potentiellen Nutzern auszuräumen und neue Möglichkeiten zu entwickeln sind. Die deutsche Blogosphäre wird ihren Anteil daran haben, das Phänomen global zu diskutieren und Anforderungen für Angebote und Standards zu entwickeln. Es bleibt 2011 also weiterhin spannend.